Familie Schwarz in Waren/Müritz

Auf den Spuren der Nachkommen von Sibylla Schwarz

Nachdem sich schwedische Nachfahren der bedeutenden pommerschen Barockdichterin gemeldet haben, führen weitere genealogische Verbindungen zu direkten Nachkommen aus Mecklenburg…

Wie einem Naturgesetz folgend, ziehen bedeutende Persönlichkeiten Aufmerksamkeit und Interesse an, auch über ihren Wirkungskreis hinaus. Wer könnte von wem abstammen? Sind diese oder jene Talente bei diesem oder jenem Vorfahren genetisch schon vorhanden gewesen? Hier spekuliert man gerne und hier liegt auch das Feld für allerhand Meldungen, die später im Boulevard landen können. Deshalb ist hier im Umgang mit Informationen besondere Seriosität geboten. Von der pommerschen Barockdichterin Sibylla Schwarz (1621-1638), seit Jahren nicht nur wegen ihrer dichterischen Leistung zu Lebenszeit berühmt und geachtet, wissen wir von einer direkten schwedischen Nachkommenschaft. Besagte Dame aus dem hohen Norden, Mitglied im Sibylla-Schwarz-Verein, will dankenswerterweise sogar das verfallene Geburtshaus der Dichterin in Greifswald kaufen, um den Weg für eine kulturelle Nutzung des Hauses freizumachen, sollte der derzeitige Eigentümer irgendwann ein Einsehen haben…

Doch kann platzte eine neue Nachricht in den genealogischen Reigen rund um Sibyllas Vorfahren. Aus Waren/Müritz meldete sich zum Erstaunen des Vereins Jens Jarchow, seinerzeit stellvertretender Leiter des dortigen Stadtarchivs, mit der Information, seine verstorbene Mutter hieß Bärbel Schwartz und stammte väterlicherseits in gerader Linie vom mecklenburgischen Zweig der Familie Schwarz ab. Begründet wurde dieser Zweig von Christian Schwartz, einem Enkelsohn des Joachim Schwartz (1612-1660), einem Bruder von Sibylla Schwarz! (Bedingt durch die oftmaligen Veränderungen der Schreibweise, über die Jahrhunderte hinweg, schreibt man im Falle Sibylla Schwarz den Terminus auch als Schwartz, von Schwarzern oder von Schwartzern.) Doch damit nicht genug. Der umtriebe Archivar kann über Sibyllas Bruder, Christian Schwarz – 1671 in den schwedischen Adelsstand erhoben und bis 1679 Bürgermeister zu Stralsund – eine weitere genealogische Verbindung nachweisen. Seine Tochter Regina von Schwarzern war verheiratet mit Johann Christian Beselin (+ 1705), seinem 9fachen Urgrußvater! Und Sibyllas älteste Schwester Regina Schwarz (1607-1680) heiratete 1631 den Greifswalder Generalsuperintendenten und Theologieprofessor Barthold Krakewitz (1582-1642). Das war für Historiker und Sibylla-Schwarz-Fans des Vereins Grund genug, dem genealogisch mehrfachen Verwandten von Sibylla einen Besuch abzustatten.

Dieser fand nun an einem freundlichen Samstagvormittag statt und die Vereinsmitglieder, die Germanistin und Sibylla-Schwarz-Forscherin, Dr. Monika Schneikart, sowie der Sibylla-Schwarz-Biograf, H.J. Schumacher, fanden einen trotz Handicap aufgeschlossenen und hoch interessierten Archivar Jens Jarchow, der aufgrund seiner beruflichen Neigung eine Unmenge von historischem Material über Sibylla Schwarz sowie ihre Familienverbindungen zusammengetragen hat, diese nun ordnet, auswertet und bewertet. Wie kommt man denn auf den Verdacht, ein direkter Nachfahre der berühmten Barockfamilien Schwarz zu sein? „Meine Großmutter Ella Schwartz, eine direkte Nachfahre von Sibyllas Bruder Joachim, pflegte bei Ungereimtheiten oder Missverständnissen immer eine tröstende Verszeile aus einem Gedicht von Sibylla zu rezitieren. Das hatte sie wiederum von ihrer Mutter, und die von ihrer usw.“, begründet der Sibylla-Schwarz-Nachfahre sein großes Interesse an jenen Zeitabschnitt seiner Familiengeschichte, „sie pflegte Sibylla mit den folgenden Gedichtzeilen zu zitieren: ‘Wer Gott vertraut in allen Dingen wird Welt, wird Neid, wird Tod bezwingen…‘ Diese Verszeile hat die Familie quasi durch die Jahrhunderte getragen.“ Mit großem Interesse und wachsender Begeisterung tauschten sich die Vereinmitglieder mit dem neuentdeckten Sibylla-Schwarz-Nachkomme, der gleichzeitig auch ein archivarischer Fachmann der schwarzschen Familiengeschichte ist, aus. Die Zeit des Besuchs verging wie im Flug. Schließlich will man den Kontakt vertiefen. Jens Jarchow wird, wie es ihm möglich ist, zu gegebener Zeit einen Gegenbesuch nach Greifswald starten. Dann wohl auch zu Sibyllas verfallenen Geburtshaus in der Baderstraße. Ich stelle mir vor, Sibyllas Nachkommen werden eines Tages ihre Kräfte bündeln, um gemeinsam das Haus ihrer berühmten Vorfahrin zurückzufordern!

Text: Hans-Jürgen Schumacher

Kommentare sind geschlossen.